My Home is My Castle

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • My Home is My Castle

      KRD-Blog schrieb:

      Montag morgen, 10 Uhr. Die Sonne scheint über dem Mietwohnkomplex, Vögel zwitschern. 30 Mietparteien wohnen in diesem Haus, meist Singles, Studenten, Schüler, aber auch ein paar Familien mit Kindern. Einige sind schon weg zur Arbeit, andere beginnen gerade eben erst ihren Tagesablauf.

      Plötzlich ungewöhnlicher Lärm, einige Bewohner schauen zum Fenster hinaus: Eine ganze Kolonne von Polizeifahrzeugen fährt vor dem Gebäude vor, es werden immer mehr, auch schwere Maschinen sind dabei. Dann steigen über 100 schwarz gekleidete, vermummte, bewaffnete Männer aus den Fahrzeugen aus und marschieren auf das Wohngebäude zu. Ohne großes Zögern schlagen sie die Eingangstüre ein und gehen von Wohnung zu Wohnung. Sie fordern die Bewohner auf, sofort das Gebäude zu verlassen. Das Gebäude werde geräumt.

      Ein Bewohner kehrt soeben von einer Reise über Wochenende zurück. Ihm wird der Eintritt verwehrt.

      „Aber ich wohne hier!“ sagt er bestürzt und verständnislos.

      „Das Haus ist verkauft, alle müssen raus. Der neue Besitzer bringt heute Abend seine neuen Mieter hierher!“ erklärt der Leiter der Aktion.

      „Wie bitte? Das ist doch meine Wohnung! Ich wohne hier schon seit 2 Jahren und habe einen Mietvertrag auf 10 Jahre! Die Wohnung ist unverletzlich! So steht es im Grundgesetz!“

      „Wir haben hier eine einstweilige Verfügung. Das Gebäude ist zu räumen!“

      Ende der Diskussion. Die Gebärden und Waffen der vermummten schwarzen Polizisten sprechen eine klare Sprache. Recht und Gesetz spielen hier offenbar keine Rolle.

      Ein Familienvater erfährt von seiner Tochter, was zu Hause vor sich geht. Er ist unterwegs auf Geschäftsreise, sie ist in der Schule und wurde übers Handy von den Vorgängen informiert. Das Mädchen ist ratlos, was es tun soll, wenn die Schule aus ist, und ruft ihren Vater an. Dieser wiederum ruft bei der Polizei an:

      „Wir haben einen Mietvertrag auf 8 Jahre. Was ist da los? Niemand hat uns in irgendeiner Weise informiert, dass wir ausziehen müssen. Ich bin noch 3 Tage auf Geschäftsreise, wo soll meine Tochter nach der Schule hin? Was können wir tun?“

      „Nichts, alles läuft ordnungsgemäss,“ ist die lapidare Antwort.

      „Was heißt nichts? Wir sind doch in einem Rechtsstaat. Da kann einen doch niemand einfach so auf die Strasse setzen!“

      „Diskutieren Sie nicht mit mir! Vor Ort kann Ihre Tochter nach der Schule alles mit dem Einsatzleiter klären!“

      Unglaublich! Ist das ein böser Traum? Sind wir in Deutschland oder in einer Bananenrepublik?

      Nach einigem Hin und Her wird eine Telefonnummer herausgegeben, wohin sich die Bewohner wegen der Koordination der Räumung wenden können.

      Der Vater ruft dort an, es ist die Firma des neuen Besitzers. Er schildert die Situation.

      „Warum sind Sie eigentlich noch hier?“ wird er gefragt.

      „Wieso soll ich denn nicht hier sein! Das ist unsere gemietete Wohnung! Niemand hat uns etwas von Räumung gesagt oder geschrieben – bis heute!“

      „Selbstverständlich haben wir Sie benachrichtigt, aber bei so einem Wohnprojekt kann ja nicht jeder einzeln benachrichtigt werden!

      Heute kann niemand mehr das Gebäude betreten, aber ab übermorgen können Sie Ihre Sachen dort herausholen!“

      Ein Alptraum?

      Eine unrealistische Geschichte?

      Eine Unmöglichkeit im Rechtsstaat Deutschland?

      Ein Skandal?

      Nichts von alledem: So geschehen am 15.5.2017 in Wittenberg, Deutschland. Trotz grundgesetzlichem Schutz der Wohnung werden ca. 30 Menschen aus ihren gemieteten Wohnungen vertrieben.

      Und da regt sich kein Gewissen, kein Gerechtigkeitsgefühl bei den Ausführenden?

      Wahrscheinlich nicht, denn ihnen wurde gesagt, dass das hier keine normalen Menschen seien, sondern sogenannte Reichsbürger!

      Ach so! Na dann! Dann geschieht es denen ja Recht!

      Wenn die meinen, Sie könnten einfach tun, was sie wollen, dann ist es gut, dass dem ein Ende bereitet wurde!

      Aber warum dürfen die nicht tun, was sie wollen, solange sie niemandem Schaden zufügen? Das sind doch auch Menschen!

      Das geht einfach nicht, und dann dieses rechtsextreme Gedankengut!

      Welches zum Beispiel?

      Na ja, die Fremdenfeindlichkeit, der Antisemitismus, die sind doch gegen Juden! Das sind die gleichen, die vor 80 Jahren die Juden wie Vieh behandelt haben …

      … einfach aus ihren Wohnungen vertrieben haben? …

      Ja, genau.

      … als wären es keine Menschen …

      Ja.

      … so wie heute wieder?

      Quelle: krd-blog.de/my-home-is-my-castle/